weltgewandt

Friederike

Auf der Suche nach dem Elch „Du hast wirklich noch nie einen Elch gesehen?!“ Das bekam ich während meines Auslandsaufenthaltes in Kanada so manches Mal zu hören. Von September bis Januar verbrachte ich 5 Monate auf Neufundland, einer Insel im Osten von Kanada. Dort kommt ein Elch auf vier Inselbewohner. Da müsste es doch genug Möglichkeiten geben mal einen zu Gesicht zu kriegen. „Die deutschen Austauschschüler sind alle gleich“, sagte mein Gastvater, „alle wollen unbedingt einen Elch sehen“. Anzeichen für Elche gab es ja viele: Warnschilder am Highway, die Elchwürstchen in der Tiefkühltruhe, Jungen in der Schule, die von Elchjagten erzählten oder das Geweih im Kunstraum. Ich hatte schon von Elchsichtungen in einem Kilometer Umkreis von meinem kanadischen Zuhause gehört, also startete meine Suche in meiner unmittelbaren Umgebung. Nach dem ersten sonnigen Wochenende in Kanada, dass ich mit meiner Gastfamilie auf dem Campingplatz verbrachte, wohnte ich in Massey Drive nahe Corner Brook. Dieser Ort sieht aus wie man sich Kanada vorstellt: bunte Holzhäuser, viele Seen und jede Menge Wald. Die ersten Wochen in der neuen Umgebung waren aufregend und gleichzeitig anstrengend. Ich lernte mich in meiner Schule, der Corner Brook Regional High, zurechtzufinden und das Englisch zu verstehen, dass auf Neufundland noch mal ganz eigene Tücken hat. Das fängt schon bei der Aussprache von „Newfoundland“ an [ˈnjuːfənᵈˈlænd, njufin(d)läänd]. Trotz aller Schwierigkeiten ging das Leben auf Neufundland weiter und ich lebte mich immer mehr ein. Ende September kam ich wieder auf das Thema Elch zurück. Da ich schulfrei hatte, begleite ich meinen Gastbruder und seine Grundschulklasse bei einem Ausflug in einen Nationalpark. Mit dem Guide entdeckten wir Spuren und Hinterlassenschaften von Elchen, doch wieder ließ sich keiner blicken. Nach dem ersten Schnee, einem großen Thanksgiving-Truthahn und vielen nasskalten Sportstunden draußen wurde das Wetter Mitte Oktober wieder besser. Ich ging Felsenklettern und verstand mich immer besser mit den Leuten aus der Schule und meiner Gastfamilie. Die Zeit verging schnell und dann war auch schon der Oktober zu Ende und Halloween stand vor der Tür. In der Schule waren einige Schüler und auch Lehrer mehr oder weniger kreativ verkleidet. Abends ging ich dann bei knietiefem Schnee mit meiner Gastschwester um die Häuser und wir sammelten jeder eine große Mülltüte voll Süßigkeiten. Irgendwann in der Zwischenzeit setzte, ohne das ich es merkte, der Alltag ein: mit dem gelben Bus zur Schule fahren, Hausaufgaben machen, Einkaufen gehen, beim Xbox spielen mit meinem Gastbruder verlieren und mit dem Familienhund spazieren gehen. Nach meinem elchlosem Herbst ging die Suche weiter. Über das Remembrance Day Wochenende fuhr ich nach St. John’s, der Hauptstadt der Provinz Neufundland und Labrador. Die Stadt ist fünfmal größer als das beschauliche Corner Brook an der Westküste mit seinen knapp 20.000 Einwohnern. 7 Stunden und unzählige Seen und Elchwarnschilder später waren wir an der Ostküste. Dort besichtigte ich einen Leuchtturm an der nebligen Steilküste, der den östlichsten Punkt in ganz Nordamerika markiert. Jetzt war ich einmal über die komplette Insel gefahren und hatte immer noch kein Glück mit meinem Elch. Nach einem guten Quartalszeugnis, begann auch schon die Adventszeit. Das Haus wurde innen und außen mit Lichterketten, Rentieren und Weihnachtsdeko bestückt und das Weihnachtskonzert mit der Schulband und dem Chor war ein Erfolg. Anfang Dezember bei etwa O°C, aber ohne Schnee fuhr die „Christmas Parade“ durch Corner Brook. Auf dem aufwändig dekorierten Wagen der Schule, auf dem ich mitfuhr, hüpften über 40 Schüler zu lauter Partymusik. Nach einem Sturm samt Stromausfall fing es auf Neufundland wieder an zu schneien und wir gingen Schlittschuhlaufen und Schlittenfahren im Sportunterricht. Die letzte Woche vor den Ferien endete nach einigen Motto-Tagen und einer guten Weihnachtsshow mit Pizza und Eis für jeden. Durch all die Aufregung verlor ich meine Elchsuche erstmal aus dem Blick. Kurz vor Weihnachten stellten wir den 2,50 Meter großen Weihnachtsbaum auf und hängten die „Christmas stockings“, also Weihnachtsstrümpfe, ins Wohnzimmer. Nach einem schönen weißen Weihnachtsfest mit vielen Verwandtenbesuchen und nach dem Feuerwerk am verschneiten Silvesterabend ging das Jahr zu Ende. Nach Silvester hatte ich nur noch den Januar in Kanada bevor es wieder zurück nach Deutschland ging. Also begann der Endspurt mit meiner Elchsuche. Anfang des Monats ging die Schule auch schon wieder los und alles wurde „wie immer“. Der Januar brachte immer mehr Neuschnee mit sich und versuchte mich auf dem „Bunny Hill“ im Skifahren. Außerdem fuhr ich mit meinen Gastgeschwistern auf dem Hügel hinter dem Haus Schlitten und ging im Wald Schneeschuhwandern. In meiner letzten Woche in Kanada waren die Halbjahres-Examen, doch ich hatte besseres zu tun als den ganzen Tag zu lernen. Mit den anderen Austauschschülern machte ich in einem Nationalpark eine Tour der besonderen Art. Mit sechs Huskys vor jeden Schlitten gespannt, fuhren wir durch die eisige Landschaft. Trotz all der Wildnis gab es wieder keine Spur von einem Elch. An meinem vorletzten Tag gab ich noch mal richtig Gas und das im wahrsten Sinne des Wortes. Mit bis zu 136 km/h fuhr ich mit meinem Gastvater hinten auf seinem Schneemobil 140 km durch das winterliche Neufundland. Neben den präparierten Wegen gab es auch „Straßenschilder“, die von Entfernungsangaben bis zu Elchwarnhinweisen gingen. Es war ein toller Ausflug und jetzt verstehe ich, warum „Skidooing“ so ein beliebtes Hobby auf Neufundland ist. Allerdings habe ich die Elche wieder knapp verpasst und wir fanden wieder nur ihre frischen Spuren und Hinterlassenschaften im Schnee. Zwei Tage später ging es wieder zurück nach Deutschland. Einen Elch in freier Wildbahn habe ich während meines 5-monatigen Aufenthaltes in Kanada nicht gesehen. Es blieb nur bei Spuren im Schnee.

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